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Fertigungsversionen in SAP S/4HANA – Pflicht bei der Umstellung

Mit der Umstellung auf SAP S/4HANA wird die Arbeit mit Fertigungsversionen für alle Unternehmen verbindlich. Während im klassischen SAP ERP noch verschiedene Selektionsmethoden und Steuerungsmechanismen möglich waren, gilt in S/4HANA: Ohne Fertigungsversion keine Stücklisten- oder Arbeitsplanauflösung im Plan- oder Fertigungsauftrag.

Was ist eine Fertigungsversion?

Eine Fertigungsversion ist ein Stammdatenobjekt in SAP, das als Klammer die Stückliste und den Arbeitsplan eines Materials verbindet. Sie definiert, mit welcher Stücklistenalternative und welchem Arbeitsplan ein Material gefertigt werden soll. Gibt es für ein Material bspw. zwei Arbeitspläne, dann folgen daraus zwei Fertigungsversionen.

Jede Fertigungsversion enthält u. a.:

  • Materialnummer und Werk
  • eindeutige Stücklistenalternative
  • eindeutigen Arbeitsplan mit Plangruppe und Plangruppenzähler
  • Gültigkeitszeitraum (ab/bis Datum)
  • Mengenintervall (z. B. Mindest- und Höchstmenge)
  • Status (gesperrt/ nicht gesperrt)

Damit bildet die Fertigungsversion die zentrale Bezugsquelle für eigengefertigte Materialien in S/4HANA.

Warum sind Fertigungsversionen in S/4HANA Pflicht?

Die Vereinfachungen bzw. Simplifizierung in S/4HANA führen dazu, dass die Materialbedarfsplanung (MRP), Planaufträge und Fertigungsaufträge nur dann auf Stücklisten- und Arbeitsplanalternativen zugreifen können, wenn eine Fertigungsversion vorhanden ist (siehe SAP-Hinweise 2267880 und 2268069). Damit werden mehrere Ziele erreicht:

  • Konsistenz: Fertigungsversionen stellen sicher, dass Stückliste und Arbeitsplan zueinander passen.
  • Vereinfachte MRP-Logik: Selektionsmethoden entfallen.
  • Integration mit PP/DS: Da PP/DS ein fester Bestandteil von S/4HANA ist, sorgt die Pflicht für eine einheitliche Bezugsquellenfindung.
  • Klarheit bei Bezugsquellen: Für Eigenfertigung dienen ausschließlich Fertigungsversionen als Bezugsquelle, während für Fremdbeschaffung weiterhin Einkaufsinfosätze, Kontrakte und Lieferpläne genutzt werden.

Auch im Kontext der Lohnbearbeitung ist zu beachten, dass Fertigungsversionen benötigt werden, die ausschließlich eine Stückliste enthalten. Nur so kann die Stückliste korrekt aufgelöst werden. Diese Fertigungsversionen lassen sich anschließend in den Lohnbearbeitungs-Einkaufsinfosätzen hinterlegen.

Auswirkungen für Unternehmen

Für Bestandskunden bedeutet dies, dass bestehende Stücklisten und Arbeitspläne überprüft und ggf. Fertigungsversionen neu angelegt werden müssen. Ohne diese Pflege können Fertigungs- und Planaufträge in S/4HANA nicht korrekt erzeugt werden. Gerade bei Materialien mit mehreren Stücklisten- oder Arbeitsplanalternativen ist die Migration besonders wichtig, da nur durch Fertigungsversionen eindeutig festgelegt wird, welche Kombination gültig ist.

In der Praxis wird die Einführung von Fertigungsversionen von einigen Unternehmen häufig zunächst als Mehraufwand im Stammdatenanlageprozess wahrgenommen. Allerdings führt kein Weg daran vorbei – denn in S/4HANA sind Fertigungsversionen verpflichtend.

Unternehmen, die aktuell noch auf SAP ECC arbeiten und eine Umstellung auf S/4HANA planen, sollten daher überlegen, die Einführung von Fertigungsversionen bereits proaktiv im ECC-System anzugehen. Auf diese Weise verteilt sich der Change-Prozess auf mehrere Schritte und die eigentliche Umstellung auf S/4HANA wird deutlich reibungsloser.

Unterstützung durch SAP-Tools

SAP stellt für die Migration spezielle Reports bereit, z. B.:

  • CS_BOM_PRODVER_MIGRATION – für Materialien ohne Arbeitspläne.
  • CS_BOM_PRODVER_MIGRATION02 – für Materialien mit Arbeitsplänen.

Diese Reports helfen dabei, automatisch passende Fertigungsversionen zu generieren und Lücken im System aufzuzeigen.

Fazit

Die Einführung von Pflicht-Fertigungsversionen in SAP S/4HANA ist mehr als nur eine technische Anpassung. Sie sorgt für eine vereinheitlichte und transparente Produktionsplanung, reduziert Komplexität in der Bezugsquellenfindung und schafft die Basis für zukünftige Innovationen im Bereich MRP und weitere Planungstools (PP/DS, IBP).

Unternehmen, die eine Migration auf SAP S/4HANA planen, sollten frühzeitig prüfen, ob alle relevanten Stücklisten und Arbeitspläne durch Fertigungsversionen abgedeckt sind – und so eine reibungslose Umstellung sicherstellen.

Kontaktieren Sie uns gerne – wir unterstützen Sie bei der Einführung von Fertigungsversionen und begleiten Sie auf Ihrem Weg nach S/4HANA.